Für Andrea war früher keineswegs klar, dass sie einmal Bäuerin werden würde. Zwar ist sie selbst auf einem landwirtschaftlichen Betrieb mit Kartoffeln, Zwiebeln und auch einigen Tieren aufgewachsen, doch in ihrer Jugend zog es sie zunächst in andere Richtungen. „Es war nie mein Ziel, Landwirtin zu werden“, erzählt Andrea. „Aber wenn man damit aufgewachsen ist, kennt man die Vorteile. Man weiß sie nur oft noch nicht zu schätzen.“ Ihre beruflichen Stationen haben sie geprägt und waren eine wichtige Erfahrung für sie, die ihr die Möglichkeit gaben, sich persönlich weiterzuentwickeln. 2015, nach ihrer Karenz, startete mit dem Kräuteranbau ein neues Kapitel in Andreas Leben. Die Chance, SONNENTOR zu beliefern, ergriff sie. Heute wachsen auf ihren Feldern für SONNENTOR Pfefferminze, Zitronenmelisse, Apfelminze und Thymian.
der weg zur bäuerin
Gemeinsam mit ihrem Mann arbeitete sie sich Schritt für Schritt in das Thema ein, besuchte Infoveranstaltungen und lernte von anderen Betrieben. Daraus entwickelten die beiden ihren eigenen Weg. Ihr Mann Erich ist gelernter Tischler, und so entstand vieles am Hof mit den eigenen Händen – und aus Holz. Für die ersten Blüten, die sie damals noch anbauten, zimmerten die beiden beispielsweise einen kleinen Trocknungskasten.
Andrea wuchs immer mehr in ihre neue Rolle hinein. Sie machte den Traktorführerschein und wurde Vollzeit-Bäuerin. Ihr Mann reduzierte schrittweise seine Stunden. Ganz leicht fiel dieser Schritt nicht. Mit drei Kindern den Weg in die Landwirtschaft als Haupterwerb zu wagen, braucht Mut, Vertrauen und eine gute Portion Selbstbewusstsein.
Besonders stolz ist Andrea auf das, was sie und ihr Mann Erich gemeinsam aufgebaut haben. Aus einem kleinen Nebenerwerbsbetrieb, der beinahe schon am Auslaufen war, wurde ein Haupterwerbsbetrieb, von dem die Familie leben kann. „Wir sind da schon eher eine Ausnahme“, sagt die Bäuerin.
Natur und Familie als prägende Faktoren
Bäuerin zu sein bedeutet für Andrea vor allem Abwechslung und ein Leben mit der Natur. Selbst die anstrengende Handhacke hat für sie etwas Erdendes: „Wenn ich draußen am Feld bin, höre ich Vogelgezwitscher, nehme Tiere wahr und spüre, wie sehr die Arbeit mit dem Lauf der Jahreszeiten verbunden ist.“
Gleichzeitig bringt der Beruf als Bäuerin ganz eigene Herausforderungen mit sich. Die Grenzen zwischen Privatleben und Arbeit können zuweilen etwas verschwimmen. Umso wichtiger sei es, Grenzen selbst zu setzen und sich bewusst Zeit für sich und die Familie zu nehmen. Dass sie sich vieles selbst einteilen kann, ist aber auch ein großer Vorteil, gerade mit drei Kindern. Andrea ist es besonders wichtig, für sie da zu sein – so, wie ihre eigene Mutter immer für sie da war und es bis heute ist.
Für die Zukunft wünscht sich Andrea, dass es bis zur Pension so gut weitergeht. Ob eines der Kinder den Betrieb später einmal weiterführen möchte, werde sich zeigen. Beeinflussen möchte sie das nicht. Wichtig ist ihr vielmehr, „dass die Kinder von Anfang an teilhaben und sehen, woher Lebensmittel kommen.“
Vertrauen in die eigene Stärke
Frauen, die in die Landwirtschaft gehen möchten, gibt Andrea folgendes mit: „Man soll nicht zu viel Respekt oder Angst vor der Aufgabe haben.“ Es sei zwar mehr Arbeit, als man anfangs vielleicht glaubt. Und ja, es kann einschüchternd sein, vor großen Herausforderungen zu stehen und seine eigene Chefin zu sein. Aber sie weiß aus eigener Erfahrung: Man wächst mit der Aufgabe. Und man erreicht mehr, als man sich zu Beginn vielleicht zutraut.
Heute hat Andrea einen anderen Blick auf die Landwirtschaft als früher. „Mit den Kräutern ist die Landwirtschaft zu meinem Ding geworden“, sagt sie. Die Bio-Bäuerin weiß: Manchmal muss man erst Abstand gewinnen, um das Vertraute neu schätzen zu lernen. Und manchmal findet man genau dort die größte Stärke, wo man sie früher nicht vermutet hätte.
Für ihr Engagement wurde Familie Waitz 2026 mit der Goldenen Sichel, dem SONNENTOR Preis für langjährige Partnerschaften, ausgezeichnet.